Walk in Time

17.08.2019
Erfahrungen aus 5 Wochen Performance

21,1 Kilometer sind geschafft, die Hälfte meines meditativen Marathons entlang der Donau, von Donaueschingen über Tuttlingen bis zum Zieleinlauf auf der Startbahn des Flughafens Neuhausen ob Eck. Im Schnitt habe ich bisher 120 Meter pro Stunde zurückgelegt, 6 Stunden pro Tag, 6 Tage die Woche und dafür nun genau 5 Wochen benötigt. Sollte ich dieses Tempo durchhalten, werde ich vorraussichtlich am 21.09. mein Ziel nach 10 Wochen erreichen und den langsamsten Marathon der Geschichte bewältigt haben.

Es freut mich, dass die Performance von den Menschen, die mir unterwegs begegnen, gut angenommen und respektiert wird. In den vergangenen 5 Wochen gab es bisher nicht eine wirklich abfällige Bemerkung über mein Tun. Das ist gegen jegliche Erwartung, denn aus der Kunstwelt bin ich da anderes gewohnt. ((Ob das an der Ruhe liegt, die ich ausstrahle oder ob die Leute keine Erklärung finden für mein sehr langsames Gehen, bleibt mal dahingestellt.))?

Die meisten Leute respektieren auch mein meditatives In-mich-versunken-Sein und schauen mir nur bei der Langsamkeit zu. Was ein Angler an der Donau denkt, durch dessen Sichtfeld ich 2h gehe, oder ein Bauer, der über Tage in meiner Nähe Felder bestellt und mich am jeweils nächsten Tag nur ein paar hundert Meter weiter sieht, bleibt offen.
Aber ein bis zwei Personen pro Tag erliegen doch ihrer Neugier und fragen mich zumeist sehr vorsichtig, was ich denn da gerade mache. In wenigen Worten und im langsamen Weitergehen erkläre ich dann mein entschleunigtes Gehen. Mittlerweile hat nun aber auch der ein oder andere schon aus der Zeitung von mir erfahren.
Wenn ich dazu komme, mit den Zuschauern über eine Welt zu reden, in der es nur noch um Wachstum und Schnelligkeit zu gehen scheint und ich ihnen erkläre, dass ich diesem, mein Projekt der Entschleunigung entgegen setzen möchte, bekomme ich durchweg Zustimmung und positive Reaktionen, ganz als ob die Leute darauf gewartet hätten, dass mal jemand vorbeikommt, der die Welt etwas entschleunigen möchte. ((Auch wenn viele Menschen nach wie vor immer mehr wollen, ein größeres Haus, ein schnelleres Auto, etc. merke ich doch, dass ein stiller und wachsender Wunsch nach Durchatmen und Entschleunigung da ist und die Menschen merken, dass sie so nicht weitermachen möchten. Sie fühlen sich überfordert in dieser Welt voller Fortschritt und politischem Wandel. In unserer Leistungsgesellschaft, in der es nur um Wachstum geht, können sie das nicht zugeben.))???

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Halbzeit bei Walk in Time
15.08.2019
Funkloch

Damit der Live-Stream bei der Performance funktioniert, braucht der Mobile-WLAN Router einen guten Empfang des LTE-Netzes. Bis auf ein paar Ausnahmen gab es bis jetzt kaum Funklöcher. Erst bei Hintschingen war ich eine ¾ Stunde Offline. Warum sieht man an diesem Bild der Netzabdeckung. Das nächste größer Funkloch wird aber voraussichtlich erst nach Tuttlingen kommen.

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Netzabdeckung in Hintschingen
14.08.2019
Das Gewicht der Daten

Über einen mobilen WLAN-Router werden 10GB Daten pro Tag ins mobile Datenfunknetz hochgeladen. Unter anderem wird dadurch der Livestream möglich und die Videos können bei Vimeo archiviert werden und so jederzeit auf der Startseite www.walk-in-time.de angeschaut werden. Zusätzlich entstehen täglich zwischen 90GB und 100GB Primärdaten, die aber erst abends gesichert werden. Alle zwei Wochen werden die angefallen Daten auf einer zweiten externen Festplatte gesichert und die SD-Karten können wieder überspielt werden. Des weiteren kommen Foto- und Videoaufnahmen von Stanislaus Plewinski hinzu, der das alle 2-3 Tage ehrenamtlich dokumentiert. Die Daten des Sensors des KIT werden direkt online gespeichert und können nach dem Projekt abgerufen und ausgewertet werden. Im Augenblick ist abzusehen, dass insgesamt ca. 8TB an Video und Fotomaterial bei der Performance entstehen werden. Ein ganz schönes Gewicht…

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Der Rucksack - Walk in Time
13.08.2019
Die Technik

Zur Entschleunigung braucht man außer Zeit und dem Verlangen danach eigentlich nichts. Um daraus jedoch ein Kunstwerk zu machen und dieses auch noch live zu streamen ist ein enormer technischer Aufwand nötig. Hier sind die technischen Geräte, die dieses Unterfangen möglich machen:

01. Eine Smart-Watch, die als Backup die Performance verfolgt, den Herzschlag aufzeichnet und als Zeitmesser für unterwegs dient.

02. Einen “Sonnenschirm” für die Action-Kamera, mit eingebautem Aluminium Kühlkörper und USB Ventilator. Die Action-Kamera kann bei direkter Sonneneinstrahlung leicht überhitzen.

03. Einen "Sonnen/Regenschirm" für Action-Kamera ohne Kühlung. Da die Kamera an eine Powerbank angeschlossen wird, weil die normale Akkuleistung nicht ausreicht, ist sie nicht mehr 100% wasserdicht und muss bei starkem Regen geschützt werden.

04. Action-Kamera mit Halterung (Livestream-fähig).

05. Ersatz Action-Kamera (nicht Livestream-fähig).

06. Akku Action-Kamera für sehr starken Regen oder Probleme mit Kabel (max. Aufnahmezeit 2h).

07. Ersatzteil-Halterung.

08. Tracker, der live meine aktuelle Position über Satellit an meine Webseite www.walk-in-time.de übermittelt.

09. Mobile und stoßsichere Festplatte für das Speichern der Video-Rohdateien.

10. Powerbank für Kamera, mit Gürteltasche zur Befestigung.

11. Ersatz-Powerbank.

12. Powerbank für Mobiltelefone und Router.

13. Mini-SD-Speicherkarten mit jeweils 256GB.

14. Sensor mit Ladestation, vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) zur Verfügung gestellt, um Daten wie Herzfrequenz, Hautwiderstand, Temperatur, Schrittzahl und Laufgeschwindigkeit kontinuierlich aufzuzeichnen. Der Sensor wird am Oberarm direkt auf der Haut getragen.

15. Armband für Sensor.

16. Laptop für Datensicherung und Kommunikation.

17. Mobiler Wlan-Router mit eingebautem Akku für die Übertragung des Livestreams direkt in das LTG Mobilfunknetz.

18. Ersatz-Mobiltelefon.

19. Mobiltelefon zur Ansteuerung der Actionkamera, Speicherung der Sensordaten und als Hotspot funktionierender Wlan-Router, sollte der mobile Wlan-Router ausfallen.

20. Halterung der Action-Kamera.

21. Sechsfach Steckdose mit Ladegeräten. Alle Geräte in Verwendung müssen täglich geladen werden.

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Die Technik für die Performance Walk in Time
07.08.2019
Begegnung mit Tieren

Wir leben in einem Beschleunigungs-Zeitalter, aber als Spezies kommen wir eigentlich doch nur langsam voran. Das hat wahrscheinlich zu unserem Bedürfnis geführt, schneller und schneller werden zu wollen, ob in Düsenjägern, auf dem Kapitalmarkt oder im Internet. Unsere zunehmende Geschwindigkeit verhindert jedoch den tieferen Kontakt zu unserer Umwelt und auch zu den darin lebenden Tieren.

Wilde Tiere nehmen reißaus wenn ein Wanderer oder Spaziergänger des Weges kommt. Vögel fliegen fort, wenn wir uns nähern. Eine Möglichkeit der Begegnung ist nicht gegeben. Ganz anders beim Slow-Walk und der Performance Walk in Time. Unzählige Male begegnete Daniel Beerstecher Tieren in nächster Nähe. Ein Hase hoppelt auf dem Feldweg direkt auf ihn zu und bleibt drei Meter vor ihm stehen. Es scheint als überlege er, mit was oder wem er es hier zu tun hat, ehe er gemütlich weiter zieht. Rehe grasen in wenigen Metern Entfernung, eine Marderfamilie lässt sich im herumtollen nicht stören, Eichhörnchen und Mäuse beobachten die Szenerie und Füchse kreuzen immer wieder seinen Weg. Es ist nicht klar, ob er durch seine langsamen Bewegungen nicht als Gefahr erkannt, oder ob er durch seine ausstrahlende Ruhe keinen Anlass zur Flucht gibt. Er wird Teil der Umwelt, nähert sich sehr langsam einem Ort und verlässt ihn in gleichem Tempo. Langsamkeit hilft manchmal die Welt zu erfahren. Alles braucht seine Zeit.

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Daniel Beerstecher - Hase. Foto: Stanislaus Plewinski
02.08.2019
Die Zügigkeit der Langsamkeit

Für Geschwindigkeit gibt es viele Begriffe: Hurtigkeit, Raschheit, Schnelligkeit,Tempo. Zügigkeit passt zu dem folgenden Video am besten. Es zeigt unterschiedliche Geschwindigkeiten, die zugleich im Bild sind und vergehen. Doch was ist Geschwindigkeit genau? Wie man sieht, ist Geschwindigkeit immer abhängig vom Bezugssystem und den anderen Dingen, die sich darin bewegen. Zügig geht es langsam weiter. Immer weiter im Fluss der Zeit.

Credits: Stanislaus Plewinski

20.07.2019
Daniel Beerstecher in der Sendung Kunscht! vom SWR

Ein wunderbares Porträt des Künstlers Daniel Beerstecher und seiner aktuellen Performance "Walk inTime" im SWR Fernsehen. Vielen Dank für diesen spannenden und facettenreichen Beitrag. Zum Video hier klicken.SWR Porträt

Logo%20der%20Kultursendung%20%22Kunscht
Kunscht! mit Steffen König vom 18.7. aus dem Kunstmuseum Stuttgart
19.07.2019
SWR 2 RADIOBEITRAG ZUM START VON WALK IN TIME

Ein schöner Radiobeitrag von Sebastian Bargon, der auf SWR 2 & SWR4 zu hören war

16.07.2019
Auftakt der Performance Walk in Time

Die Performance “Walk in Time” startete am Sonntag, den 14.07.2019 um 12:58 vor dem Museum ArtPlus in Donaueschingen. Herzlichen Dank gilt dem Museum und der Leiterin Simone Jung für die einführenden Worte. Bei Sonnenschein wurden die ersten Meter Slow-Walk vor zahlreichen Gästen absolviert, langsam mit der Donau in Richtung Tuttlingen. Auch kurzzeitiger Regen stoppt die Fortbewegung nicht. Wir hoffen auf vielfältige Wetterlagen und werden hier auf dem Blog über die Performance sowie Hintergrundthemen berichten. In den nächsten Tagen werden der SWR (Radio und Fernsehen) über die Performance berichten. HIER vorbei schauen und LIVE verfolgen.

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10.07.2019
Einladung zum Auftakt der Performance „Walk in Time”

Das Museum Art.Plus lädt herzlich zum Auftakt der Performance „Walk in Time” am Sonntag, den 14.07.2019 ein. Um 12 Uhr gibt es eine kurze Einführung der Leiterin Simone Jung und ein Künstlergespräch. Mehr Informationen zur Veranstaltung und Performance hier im Artikel des Südkuriers.

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Auftakt der Performance um 12 Uhr am Sonntag (14.07) am Museum Art.Plus in Donaueschingen
05.07.2019
Daniel Beerstecher beim Skulpturenprojekt der Donaugalerie Tuttlingen

Die Performance „Walk in Time” des Künstlers Daniel Beerstecher findet im Rahmen des Skulpturenprojektes der Donaugalerie Tuttlingen statt. Über 14 Wochen hinweg werden Werke internationaler Größen, neben Werken namhafter Künstler*innen aus der Region, im Freien zu sehen sein. Die Donau als Lebensader der Region ist der wesentliche Bezugspunkt der Skulpturenschau. Die Performance „Walk in Time” ist als „Living Sculpture” ein besonderer Höhepunkt diesen Sommer und dauert voraussichtlich bis zu 70 Tagen. Der Weg des Slow-Walk Marathons verläuft an der Donau, im Fluss mit der Zeit. Interessierte, Besucher*innen und zufällige Gäste können sich auf dieser Webseite, den teilnehmenden Museen und den Touristeninformationen über den genauen Standort des Künstlers informieren. Jeder darf mitlaufen, den Künstler beobachten und sein eigenes Tempo finden. Slow-Walk erfordert eine enorme Konzentration und der Künstler bittet darum nicht angesprochen oder gestört zu werden.

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